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Zille Heinrich

Oper ohne Aufführung
Was ist eine Oper ohne Aufführung? Ein Text mit Musik? Eine Ansammlung von Notenblättern? - Ohne die szenische Realisation ist eine Oper nicht existent! So geschehen mit "Zille Heinrich", ursprünglich ein Auftragswerk der Staatsoper Berlin, das jedoch weder dort noch an einem anderen Theater (der DDR) seine Uraufführung erlebte. Über die Ereignisse der Wende und der Wiedervereinigung geriet dieses Werk in Vergessenheit, die Autoren wurden um den Lohn ihrer Arbeit gebracht.
Kampf um die Uraufführung
Joachim Werzlau (1913-2001) und Heinz Kahlau (geb. 1931) er-hielten den Auftrag, eine Oper über den Maler Heinrich Zille zu erarbeiten, im Februar 1980; die Fertigstellung wurde für Februar 1982 vereinbart. Bedingt durch diverse Faktoren (u. a. die Erkrankung Werzlaus) verzögerte sich die Übergabe bis ins Ende 1984, die Oper gefiel nicht, es wurden Veränderungen an Musik und Text vereinbart und auch vorgenommen, doch der Auftraggeber und die Autoren konnten sich nicht auf eine Fassung einigen. 1988 wurde schließlich die dritte Fassung von "Zille Heinrich - Volksoper in zwölf Bildern und einem Prolog" endgültig von der Staatsoper Berlin abgelehnt. In den folgenden Jahren versuchte Joachim Werzlau immer wieder, das Werk einem Opernhaus zur Uraufführung anzubieten, jedoch ohne Erfolg.
Libretto
Heinrich Zille (1858-1929) verlor im Jahr 1907 fast 50jährig und nach dreißig Jahren Betriebszugehörigkeit seine Arbeit. Für Zille eine Katastrophe, die seinen bescheidenen Wohlstand bedroht, sein künstlerisches Ego untergräbt und an einen Nullpunkt zurückwirft. Mit Beginn seiner freiberuflichen Tätigkeit konnte er seine Formensprache vervollkommnen und wurde er zu dem, was wir heute mit dem Namen Heinrich Zille verbinden - der Mann, der die "kleinen Leute" porträtiert und den Berlinern aufs Maul schaut. Der Librettist Heinz Kahlau verdichtete den Stoff zu einem Psychogramm eines Künstlers im Umbruch, stellte den Widerspruch zwischen den künstlerischen Intensionen und den persönlichen Lebensumständen und Ansichten ins Zentrum des Geschehens. weiter>>